Hans - Heinrich Brinckmann
Zu meinen beiden wichtigsten Ausbildern gehörte neben Anne Kursinski (USA) zweifellos Hans - Heinrich ("Micky") Brinckmann. Von 1981 bis 1982 hatte ich das grosse Glück, einen Teil meiner Ausbildungszeit in Kolkhagen bei Lüneburg verbringen zu dürfen. Nachfolgend seien hier einige Zeitungsausschnitte über diesen grossen Ausbilder, Reiter und Parcoursbauer angefügt.

1936 ging in Hannover ein neuer Stern auf. Der Lieutnant Hans - Heinrich Brinckmann von der Kavallerieschule verkörperte den idealen Springreitersitz, den einst Caprilli verlangte und der von Freiherr von Waldenfels erstrebt wurde. Eine unvergleichliche Siegesserie begann.
Hans - Heinrich Brinckmann war vor dem zweiten Weltkrieg der weltbeste Springreiter, er gewann 1939 in Rom als erster Deutscher den großen Preis von Rom als eine der großen klassischen Prüfungen, er wurde später Trainer und wahrscheinlich zum größten Parcourskünstler, den die Welt hatte....In seinen Ritten lag Musikalität...Geradezu genial baute er keine Parcours, eher schon Kunstwerke.
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Ohne Einschränkung darf ich sagen, daß in den Jahren 1935 bis 1939 kein Reiter so schön gesessen hat und stilistisch so vorbildlich geritten ist wie Brinckmann. Wenn es schlechthin eine Idealvorstellung gibt, dann ist ihr kein deutscher Reiter nähergekommen, als er. Immer galoppierte er in den ruhig liegenden Oberschenkeln. Seine Knie hafteten eisern am Angelpunkt. Seine Unterschenkel rührten sich auch bei den gewaltigsten Sprüngen nicht. Der Absatz blieb in jeder Phase der tiefste Punkt des Reiters. Bewundernswert war seine feinnervige Hand, die alle Pferde der verschiedensten Temperamente gerne annahmen und sich vertrauensvoll auf sie verließen. Deshalb gingen sie bei ihm jedes Tempo, reagierten auf die feinsten Hilfen, die fast unsichtbar gegeben wurden. Brinckmann durfte es sich leisten, ganz kurze Wege zu reiten. Das konnte er nur, weil Pferd und Reiter im Gleichgewicht und in völliger Übereinstimmung waren. Blutpferde lagen ihm mehr, als die schweren, großen Typen.
Harald Momm über seinen Regimentskameraden im St.Georg (5 / 91)

In den dreissiger Jahren hatte in Hannover Military - Reiter Rittmeister von Busse diesen Ratschlag über seine Ausbildungspläne gestellt: "Das Springen stellt an die Nerven der Pferde besondere Anforderungen, das hat die Erfahrung gelehrt. Wer mit diesem allerwichtigsten Faktor nicht rechnet, wird keinen Erfolg mit der Ausbildung junger Pferde zum Springen haben. Auf dieser Erkenntnis fußend, trägt ein wirklicher Ausbildungsplan die Überschrift: "Sei friedlich und lasse Dir Zeit!" Wer diese wenigen Sätze aufmerksam liest, der mag darin Micky Brinckmanns Vermächtnis erkennen.
Wer bei ihm ritt, der weiss, nie hat man ein lautes Wort von ihm gehört, wie es für Reitlehrer typisch ist. Im Gegenteil: Brinckmann sprach ganz bewußt leise. Er forderte volle Konzentration. Seine Überzeugung war klar: Reiten ohne Grips geht nicht. Zugleich wies er seinen Schülern stets Eigenverantwortung zu. Nicht der Lehrer ist schuld, wenn etwas nicht klappt. Schon gar nicht ist das Pferd schuld. Die volle Verantwortung trägt stets der, der im Sattel sitzt. Brinckmann´s natürliche Autortät ließ keinen Zweifel zu. Und zugleich spürte jeder, welch ästhetisches Vergnügen es dem Mann mit den markanten weissen Haaren machte, Pferde und Reiter zu fördern. Grobheiten, sofern sie unter seinen Augen überhaupt begangen wurden, strafte er mit einem Blick, das genügte.
(Thomas Borgmann, Reiterjorunal)
Obwohl zurückhaltend, konnte Micky doch sehr vergnügt sein. Nach dem Sieg im Preis der Nationen in Fontainebleau verblieben Micky und Alwin Schockemöhle im Hotel und gingen nicht zum Nationenpreis - Ball. Als die Equipe in den frühen Morgenstunden wieder im Hotel eintraf, waren die Zurückgebliebenen noch in voller Aktion. Sie tranken Moet et Chandon au sabre - die Flaschen wurden mit einem Säbel geköpft.
Micky hatte sich auf die Gefangenschaft nicht vorbereitet. Außer seiner dünnen Uniformjacke führte er nichts wärmendes bei sich. Ihm konnte mit einem Kradmantel geholfen werden, der aber so lang war, daß er ständig darauftrat.
Gustav R. Pfordte in reiten und fahren (3/91)
"Wir sollten nicht müde werden, Widerwärtigkeiten zu überwinden als Bereiter und vor allem als Lehrkraft und reiterlicher Erzieher, nicht müde werden, uns im Sinn unseres Sports für die wahre Reitkunst einzusetzen, uns für die reine Lehre zu begeistern und Freude daran zu haben daß der schöne Springsport das bleibt, was sein Sinn ist. "Die Kunst, über Hindernisse zu reiten": Gaudemus equis!
(Vortrag von Hans - Heinrich Brinckmann über Mißstände im Springsport.)
